Über uns

Der Emons Verlag in einem Wort. Welches trifft es am besten und warum?

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Hejo Emons: Unabhängigkeit. Wir haben das große Glück, bis heute unsere eigenen Entscheidungen treffen zu können. Wir sind kein Konzernverlag mit großen Aufsichtsräten, hier entscheiden keine Controller oder Investorinnen. Wir haben bei jedem Projekt selbst in der Hand, ob wir es machen wollen. Das hat schon zu Fehleinschätzungen geführt. Aber auch zu dem ein oder anderen sehr erfolgreichen Buchprojekt, das vielleicht in einem anderen Verlag keine Chance gehabt hätte. Zu wissen, dass wir unser Programm vollumfänglich selbst verantworten, ist ein großes Glück.

Franziska Emons-Hausen: Kreativität. Wir sind jeden Tag von so vielen spannenden Geschichten und Buchprojekten umgeben. Und von den vielen Menschen, die mit ihren Ideen dazu beitragen, erfolgreiche Bücher zu machen. Manchmal kann so viel Ideenreichtum auch anstrengend sein. Aber an 11 von 10 Tagen liebe ich diese Energie. Hier im Team, aber vor allem auch im Austausch mit unseren Autorinnen, Autoren und Partnern.

Was ist das Schönste daran, Bücher zu verlegen?

Franziska Emons-Hausen: Auf jeden Fall der Moment, wenn man ein druckfrisches Buch zum ersten Mal in der Hand hält. Zu sehen, wie die Monate und teilweise Jahre harter Arbeit von vielen Menschen zu einem fertigen Buch geworden sind. 

Hejo Emons: Ich schätze es sehr, jeden Tag die Post durchzusehen. Wenn ich dann nach zwanzig Rechnungen auf einen Brief einer Leserin oder eines Lesers stoße, der sich die Mühe macht, uns zu schreiben, und uns sagt, dass er unsere Bücher toll findet und schon 25 im Regal hat, freue ich mich immer sehr. Zu merken, dass wir mit unserer Arbeit Menschen begeistern können. Das ist doch das Großartige an unserem Job.

… und wenn es statt Lob Kritik hagelt?

Hejo Emons: Es hagelt nicht. Es gibt manchmal Kritik. Das ist immer ein guter Grund, mit dem Leser in Kontakt zu treten. Wenn er unser Buch gelesen hat. Was ich weniger gut ertrage, sind diejenigen Kritikerinnen und Kritiker, die sich ein Urteil über – beispielsweise – den Regionalkrimi erlauben, ohne je einen in der Hand gehabt zu haben.

Was ist ungewöhnlich am Emons Verlag?

Franziska Emons-Hausen: Dass wir manchmal Dinge tun, die auf den ersten Blick für uns zu groß erscheinen und dann auf den zweiten aber doch viel besser funktionieren, als so manch einer gedacht hat. Wie zum Beispiel unsere verlegerischen Aktivitäten in den USA, in Großbritannien, Frankreich und Italien.

Wie kam es dazu?

Hejo Emons: Ich habe 2007 mit einem Freund den italienischen Hörbuchverlag Emons Italia gegründet. Weil es das Produkt »Hörbuch« in Italien damals so gut wie nicht gab, waren wir irgendwann Marktführer. Wir haben dann angefangen, deutsche Krimis zu verlegen – unter dem Namen »Gialli Tedeschi« –, und wir haben unsere Erfolgsreihe »111 Orte« mit italienischen Autorinnen und Autoren gemacht. Das ging dann weiter mit englischen und amerikanischen Titeln und heute auch mit französischen. Das heißt, wir übersetzen nicht nur, wir sind auch verlegerisch tätig.

Und das läuft alles von Köln aus?

Franziska Emons-Hausen: Wir haben eine Mitarbeiterin in New York, die sich um die Autorinnen und Autoren und das Lektorat kümmert. Aber ja: Das meiste machen wir hier in Köln, angefangen bei Redaktion, Satz und Grafik bis hin zu Pressearbeit Und es ist ein tolles Gefühl, Belegexemplare der »New York Times« in der Hand zu halten, in der unsere Bücher besprochen sind.

Was macht das Profil des Verlags aus? Was sind die Besonderheiten?

Hejo Emons: Wir sind sehr stark in den Regionen verankert und schauen gemeinsam mit unseren Autorinnen und Autoren, welche spannenden Geschichten und Themen es vor der eigenen Haustür gibt. Das gilt für unser belletristisches Programm, aber auch für unsere Sachbücher und Bildbände. Wir tun das, weil wir immer wieder auf tolle Geschichten und insbesondere Kriminalromane stoßen, die uns begeistern und die eben nicht in New York oder Moskau, sondern in Bielefeld oder Tirol spielen. Womit ich nicht ausschließen will, dass Emons-Bücher nicht auch in New York oder Moskau spielen können. Tatsächlich ist beides schon vorgekommen.  

Was geschieht, wenn ein Manuskript oder eine Idee so gar nicht ins Verlagsprofil passen will?

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Franziska Emons-Hausen: Natürlich gibt es Projekte, die wir ablehnen, weil sie nicht gut zu uns passen. Wenn wir aber gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren glauben, dass es funktionieren kann, machen wir es trotzdem. Das ist ja das Großartige daran, nicht von einem Konzern abhängig zu sein.

Hejo Emons: Zur Buchbranche gehört immer eine Portion Tollkühnheit. Neben allen kaufmännischen Tugenden, neben der Erfahrung, die man meint, in den vielen Berufsjahren angesammelt zu haben, und neben all den Marktuntersuchungen und den unterstellten und tatsächlichen Lesetrends muss man manchmal einfach auf sein Bauchgefühl hören. 

Was hat sich seit der Gründung des Verlags am meisten geändert?

Hejo Emons: Damals war ich der Erste im Verlag, der einen Computer hatte. Heute bin ich der Letzte, der noch ein analoges Telefonbuch besitzt.

Franziska Emons-Hausen: Dinge ändern sich ständig. Solange man sich in einem tollen Team diesen Veränderungen stellen kann, ist das doch auch wunderbar. Bei allen Herausforderungen für die Branche: Das Buch ist ein einzigartiges und faszinierendes Medium, das auch in 50 Jahren noch seinen Platz in unserer Gesellschaft haben wird.